Bauen mit Holz und Naturfasern: Wie nachhaltig ist das?  [27.10.26]

Holz und Naturfasern könnten die Klimabilanz des Bausektors deutlich verbessern. Doch was geschieht, wenn biobasierte Baustoffe weltweit in großem Maßstab zum Einsatz kommen? Innerhalb des Exzellenzclusters „Integrative Computational Design and Construction for Transformative Architecture“ (IntCDC) der Universität Stuttgart untersucht ein Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim, wie sich diese Rohstoffe nachhaltig nutzen lassen und welche Folgen eine steigende Nachfrage für regionale Vorkommen, globale Märkte und ökologische Grenzen hat.


Der Bausektor steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Der weltweite Bedarf an Gebäuden und Infrastruktur steigt, gleichzeitig müssen Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen deutlich sinken. Biobasierte Baustoffe wie Holz oder Naturfasern gelten dabei als vielversprechende Alternative zu konventionellen Materialien. Während des Wachstums nehmen Pflanzen CO₂ aus der Atmosphäre auf und speichern den darin enthaltenen Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Wird diese als Baumaterial verwendet, bleibt der Kohlenstoff während der Nutzungsphase im Material gebunden, sodass biobasierte Baumaterialien als temporäre Kohlenstoffspeicher fungieren.

Doch ihr verstärkter Einsatz ist nicht automatisch nachhaltig. Werden große Mengen an Biomasse für den Bausektor benötigt, kann dies zu Konkurrenz um Flächen sowie Rohstoffe führen und zudem negative Auswirkungen auf die Biodiversität eines Ökosystems haben.

Hier setzt das Forschungsprojekt „Integrative Multi-Scale Modelling for Bioregional Construction“ an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Franziska Schünemann entwickelt das Hohenheimer Forschungsteam ein Modell zur Untersuchung der globalen marktwirtschaftlichen Auswirkungen einer zunehmenden Nutzung biobasierter Bausysteme. Ergänzt durch ein Ökobilanzierungsmodell sowie Analysen regionaler Rohstoffvorkommen entsteht so ein umfassendes Bewertungstool, das eine Bewertung auf verschiedenen räumlichen Ebenen ermöglicht. So berücksichtigt das Tool neben der regionalen Biomasseverfügbarkeit auch Faktoren wie Landnutzung und mögliche Auswirkungen auf die Biodiversität in Bezugsgebieten weltweit.

Eine zentrale Rolle spielt zudem die bioregionale Perspektive: Die Bau- und Sanierungsnachfrage einer Region wird mit ihren verfügbaren Biomasseressourcen sowie überregionalen und globalen Märkten in Beziehung gesetzt. Als Fallbeispiel dient die Region Stuttgart. Das Forschungsteam untersucht, welche Rohstoffe dort verfügbar sind, wie sie für das Bauen genutzt werden könnten und wo eine regionale Versorgung an Grenzen stößt oder durch globale Lieferketten ergänzt werden muss.

Gemeinsam mit den Projektpartner:innen von IntCDC wollen die Hohenheimer Forschenden bislang getrennt betrachtete Perspektiven zu einem Gesamtbild verbinden. So soll eine übertragbare Methode entstehen, mit der sich auch für andere Regionen bewerten lässt, welche biobasierten Baustoffe unter den jeweiligen ökologischen, wirtschaftlichen und räumlichen Bedingungen sinnvoll sind. 

Das Projekt ist in den an der Universität Stuttgart angesiedelten Exzellenzcluster IntCDC eingebunden. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Cluster erforscht, wie digitale Technologien und interdisziplinäre Methoden das Planen und Bauen verändern können. Architektur, Bauingenieurwesen, Informatik, Robotik und weitere Disziplinen entwickeln dabei gemeinsam Lösungen für die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen des Bausektors.

Projekt-Steckbrief

  • Titel: Integrative multi-scale modelling for biobased and bio-regional construction
  • Fördersumme: 223.998 Euro für die Universität Hohenheim
  • Förderinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Exzellenzclusters „Integrative Computational Design and Construction for Transformative Architecture“ (IntCDC)
  • Laufzeit: 1.4.2026 - 30.6.2029
  • Beteiligte: Universität Stuttgart, Bauhaus Erde, Berlin
  • Website 


Schwergewichte der Forschung

Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.


Kontakt

Prof. Dr. Franziska Schünemann, Universität Hohenheim, Fachgebiet Bioökonomie, 
+49 (0)711 459 24500, f.schuenemann@uni-hohenheim.de


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