Agroforst für klimaresilienteren Ökolandbau  [25.06.26]

Können Bäume auf landwirtschaftlichen Flächen dazu beitragen, Ökobetriebe widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Starkregen und andere Wetterextreme zu machen? Dieser Frage widmet sich das Praxisforschungsnetzwerk „ReAgt4Oeko“. Darin untersuchen Forschende der Universität Hohenheim gemeinsam mit rund 20 assoziierten Partner:innen aus Wissenschaft, Praxis und Beratung in ganz Deutschland, wie Agroforstsysteme die ökologische und wirtschaftliche Resilienz des Ökolandbaus stärken können.


Agroforstsysteme kombinieren Gehölze mit Ackerbau oder Tierhaltung. Sie gelten als vielversprechender Ansatz, um die Landwirtschaft besser an den Klimawandel anzupassen: Bäume und Sträucher können Böden vor Erosion schützen, Wasser speichern, Biodiversität fördern und Tiere vor Hitze schützen. Dennoch sind in der gemäßigten Klimazone Agroforstsysteme im Ökolandbau bislang wenig verbreitet. Gründe dafür sind unter anderem fehlende Praxiserfahrungen sowie produktionstechnische und wirtschaftliche Hürden.

Hier setzt das Netzwerkprojekt „ReAgt4Oeko“ an. In drei Regionen Deutschlands – Nordost, Mitte und Süd – beschäftigen sich Wissenschaft und Praxis gemeinsam mit den Potenzialen bestehender Agroforstsysteme. Im Mittelpunkt stehen Fragen zur Boden- und Pflanzengesundheit, zu Ertragswirkungen sowie zum Tierwohl in der Rinder- und Geflügelhaltung.

Gemeinsam analysieren die Projektbeteiligten Bodenmikrobiome, Bodenfauna und Infiltrationsraten, um besser zu verstehen, wie Agroforstsysteme Bodenfruchtbarkeit, Wasserspeicherung und die biologische Aktivität im Boden beeinflussen. Zudem erfassen sie die Erträge von Acker- und Grünlandkulturen zwischen den Baumreihen, um herauszufinden, wie Agroforstsysteme die Resilienz gegenüber Starkregen, Dürre und Erosion erhöhen können.

Darüber hinaus untersucht das Netzwerk bei Rindern in der Weidehaltung, wie Gehölze das Mikroklima verbessern und den Hitzestress für die Tiere mindern können. Das Hohenheimer Team unter Leitung von Dr. Julia Schneider vom Zentrum Ökologischer Landbau befasst sich zudem mit der ökologischen Haltung von Legehennen in mobilen Ställen sowie den Stickstoffeinträgen durch die Tiere in den Boden.

Die Gehölze bieten den Hennen Schutz vor Greifvögeln und Schatten, wodurch sie die Ausläufe besser annehmen. Dies kann zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere und ihrer Nährstoffeinträge auf der Fläche beitragen. Gleichzeitig gilt es zu vermeiden, dass in besonders stark genutzten Bereichen hohen Stickstoffeinträgen entstehen.  

Neben den ökologischen Effekten beschäftigt sich das Vorhaben auch mit der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Agroforstsystemen. So analysieren die Projektbeteiligten unter anderem Wertschöpfungsketten und Vermarktungsmöglichkeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in frei zugängliche Planungstools sowie Beratungsangebote einfließen und über regionale Netzwerke, themenspezifische Internetseiten und praxisnahe Formate verbreitet werden. Ziel ist es, langfristig Agroforst als praxistauglichen Baustein für einen klimaresilienten Ökolandbau zu etablieren.

Projekt-Steckbrief

  • Titel: Resilienzsteigerung durch Agroforst im Praxis-Forschungs-Netzwerk Ökolandbau − ReAgt4Oeko
  • Fördersumme: insgesamt 4,4 Mio. Euro, davon 606.719 Euro für die Universität Hohenheim
  • Förderinstitution: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), Projektträger: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau
  • Dauer: 1.4.2026−28.2.2031
  • Leitung: Universität Kassel
  • Beteiligte: Universität Hohenheim; Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI), Berlin; Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN), Dummerstorf, Finck Stiftung gGmbH, Briesen (Mark) sowie ca. 20 Praxisbetriebe


Schwergewichte der Forschung

Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

Kontakt
Dr. Julia Schneider, Universität Hohenheim, Zentrum Ökologischer Landbau (ZÖLUH),
+49 (0)711 459 23296, julia.schneider@uni-hohenheim.de
 


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