Karlsruhe–Kuopio: Nachtzug statt Flug [15.07.26]
Weniger fliegen: Rund 5.000 Dienstreisen führen Beschäftigte der Uni Hohenheim jedes Jahr ins In- und Ausland. Die Wahl des Verkehrsmittels hat dabei erheblichen Einfluss auf die Treibhausgasbilanz der Universität. In der Reihe „Good Travel Stories“ berichten Uni-Angehörige, wie sie auf Dienstreisen bewusst Emissionen einsparen. Heute: Julia Klawitter, Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum für Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa) des staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und der Uni Hohenheim.
Schon gewusst? Marseille, London oder Wien sind von der Uni Hohenheim aus in weniger als 8 Stunden mit dem Zug erreichbar. Eine Karte auf der Dienstreise-Homepage gibt Inspiration, wo sich Emissionen sparen lassen. Dabei unterstützt auch das Travel Decision Tool von FlyingLess. Eine Initiative des Green Office | Green Team "Betrieb & Infrastruktur".
Good Travel Stories: Julia Klawitter
Ich muss etwas gestehen: Ich bin ein echter Bahn-Fan. Auch nach all den Jahren, in denen ich mit der Deutschen Bahn unterwegs bin. Denn ja, die Deutsche Bahn ist seit einiger Zeit nicht gerade für ihre Zuverlässigkeit bekannt. Trotzdem liebe ich das Reisen mit dem Zug – ob regional, im Fernverkehr, tagsüber oder nachts!
In 99 Prozent der Fälle nehme ich Verspätungen und Störungen ziemlich gelassen. Vielleicht, weil man im Zug meistens andere Leidensgenossinnen und Leidensgenossen trifft und zusammen über das geteilte Schicksal schmunzeln kann. Vielleicht, weil ich immer großzügige Umsteigezeiten einplane. Oder vielleicht einfach, weil Zugfahren – wenn alles funktioniert – für mich eine der schönsten Arten des Reisens ist.
Stockholm-Helsinki mit der Nachfähre. Bild: Julia Klawitter
Meine Begeisterung geht sogar so weit, dass ich öfter darüber nachdenke, meinen Job in der Wissenschaftskommunikation an den Nagel zu hängen und Lokführerin zu werden. Wer weiß …
Mein aktueller Job an der Uni Hohenheim und im EU-Horizon-Projekt eNaBlS hat mir allerdings gerade eine ganz besondere Reise ermöglicht: Als Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeitende arbeite ich gemeinsam mit einem internationalen Konsortium aus elf Organisationen in acht europäischen Ländern daran, Biodiversität und naturbasierte Lösungen stärker in Hochschulen sowie in der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu verankern.
Regelmäßige persönliche Treffen mit unseren Projektpartnerinnen und -partnern sind dafür unverzichtbar – und genau ein solches führte mich kürzlich zu unseren Kolleginnen und Kollegen an der University of Eastern Finland, wo sich das gesamte Projektkonsortium nach einem Jahr endlich wieder persönlich treffen konnte.
Für diese Reise entschied ich mich, auf dem Hinweg auf dem Landweg nach Finnland zu reisen. Denn einer meiner wichtigsten Vorsätze ist es, beim Reisen möglichst viel CO₂ einzusparen.
Natürlich lässt sich nicht jede Dienstreise ohne Flug realisieren. Aber wann immer es praktikable Alternativen gibt, möchte ich sie nutzen. Gerade bei einem Projekt, das sich mit nachhaltiger Transformation beschäftigt, fühlte sich das für mich stimmig an.
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Etwas Ähnliches habe ich vor zwei Jahren auch schon privat gemacht – auf einer Reise zu den Kanarischen Inseln: Damals fuhr ich mit dem Zug von Deutschland über Frankreich nach Spanien und setzte anschließend mit der Fähre nach La Palma über.
Der Weg wird zum Reiseziel
Dieses Mal sah meine Route so aus:
- Karlsruhe → Hamburg mit dem ICE der Deutschen Bahn
- Hamburg → Stockholm mit dem Nachtzug der schwedischen Bahngesellschaft SJ (meine erste, lang ersehnte Nachtzugreise!)
- Stockholm → Helsinki mit der Nachtfähre
- Helsinki → Kuopio mit dem Zug der finnischen Bahngesellschaft VR (eine wirklich entspannte, angenehme und pünktliche Fahrt!)
Meine Reise begann am Freitagnachmittag und endete am Sonntagabend – und jede einzelne Minute hat sich gelohnt. Vor allem, weil ich eine erhebliche Menge CO₂ einsparen konnte.
Die Reise nach Finnland auf diesem Weg hat rund 87,3 Kilogramm CO₂, verursacht, während ein Flug etwa 249,5 Kilogramm verursacht hätte (ungefähre Werte auf Grundlage meiner Reiseplanung).
Aber nicht nur das: Ich habe neue Menschen kennengelernt, viele unterschiedliche Orte gesehen und die Reise selbst zu einem Teil des Erlebnisses gemacht.
Vielleicht ist genau das der Aspekt, den ich am meisten an dieser Art des Reisens mag: Sie verändert die Bedeutung der Reise. Sie ist nicht länger nur der lästige Abschnitt zwischen zwei Meetings – sondern am Ende die bessere Geschichte.






