Pflanzen als Arzneimittelfabriken: Wirkstoffe nach Maß  [28.10.26]

Pflanzen können mehr als Nahrung liefern: Sie produzieren auch wertvolle Ausgangsstoffe für Arzneimittel. Wie sich solche pflanzlichen Wirkstoffe unter kontrollierten Bedingungen zuverlässig und reproduzierbar gewinnen lassen, untersucht die Universität Hohenheim im Forschungsprojekt PHY²PHARM. Unter der Leitung von Prof. Dr. Simone Graeff-Hönninger entsteht eine modulare „Seed-to-Pharma“-Plattform, die wesentliche Schritte von der Pflanzenkultivierung bis zur pharmazeutischen Weiterverarbeitung miteinander verbindet.


Damit pflanzliche Wirkstoffe künftig gezielt für pharmazeutische Anwendungen genutzt werden können, müssen die Bedingungen ihrer Herstellung genau kontrollierbar sein. Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bewässerung und Nährstoffversorgung beeinflussen Wachstum und Inhaltsstoffe der Pflanzen. Das Projekt setzt deshalb auf eine spezielle Kultivierungsanlage, in der sich diese Faktoren präzise einstellen, überwachen und dokumentieren lassen.

Sensoren, Automatisierung und digitale Prozessdaten sollen helfen, den Zusammenhang zwischen Anbaubedingungen und Pflanzenentwicklung systematisch zu erfassen. Perspektivisch will das Forschungsteam auch weitere Schritte wie Trocknung, Extraktion und Wirkstoffanalytik einbeziehen. Digitale Zwillinge könnten künftig dabei helfen, Produktionsprozesse virtuell abzubilden und gezielt zu optimieren.

Schon bei der Entwicklung berücksichtigt das Projekt Anforderungen der Good Manufacturing Practice (GMP), die für die pharmazeutische Herstellung gelten. So sollen die Voraussetzungen für standardisierte, nachvollziehbare und qualifizierbare Produktionsverfahren entstehen.

Die Plattform soll langfristig dazu beitragen, pflanzenbasierte Wirkstoffe unter kontrollierten Bedingungen herzustellen – ressourcenschonend und reproduzierbar. 

Unterstützt wird das Projekt durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen der EVI-PLUS-Prototypenförderung.

Projekt-Steckbrief

  • Titel: Entwicklung eines Phytopharmaculture-Prototyps zur biotechnologischen, GMP-fähigen Herstellung pflanzlicher Arzneimittel (PHY²PHARM)
  • Fördersumme: 499.944 Euro (EFRE, EVI-PLUS-Prototypenförderung)
  • Laufzeit: 7.4.2026 - 6.4.2028
  • Beteiligte: Prof. Dr. Simone Graeff-Hönninger (Projektleitung), Christian Mason, Markus Eberhart


Schwergewichte der Forschung

Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.


Kontakt

Prof. Dr. Simone Graeff-Hönninger, Universität Hohenheim, Fachgebiet Pflanzenbau
+49 (0)711 459 24114, simone.graeff@uni-hohenheim.de 


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