KI statt Bauchgefühl: digitale Entscheidungshilfe für die Hanfernte  [12.02.26]

Bei Faserhanf ist der Erntezeitpunkt wichtig für die Faserqualität. Sie ließe sich nachhaltig verbessern, wenn es gelingt, den optimalen Zeitpunkt zu erkennen. Hier setzt das das Forschungsprojekt „HanfWert“ an: Unter Federführung von Dr. Patrick Thorwarth, Leiter der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim, entsteht ein KI-basiertes Tool, das den Landwirt:innen über eine App oder Webanwendung standort-, sorten- und witterungsspezifische Empfehlungen zum optimalen Erntezeitpunkt von Faserhanf liefert.


Faserhanf gilt als vielversprechender Rohstoff für eine regionale und nachhaltige Wertschöpfung, etwa in der Textil-, Bau- oder Verbundwerkstoffindustrie. Voraussetzung für eine erfolgreiche industrielle Nutzung ist jedoch eine hohe und gleichbleibende Faserqualität. Diese hängt entscheidend vom richtigen Erntezeitpunkt und vom Grad der sogenannten Feldröste ab: Bei diesem natürlichen Rotteprozess auf dem Feld werden Pektine – der „pflanzliche Leim“ im Stängel – abgebaut. Dadurch lassen sich die Zellulosefasern bei der Verarbeitung leichter voneinander trennen.

Bislang legen Landwirt:innen den optimalen Erntezeitpunkt überwiegend „nach Augenmaß“ und Erfahrung fest. Datengestützte, standort-, sorten- und witterungsangepasste Entscheidungshilfen fehlen weitgehend. Das führt zu Qualitätsschwankungen, erschwert die Verarbeitung und verursacht Wertverluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Künftig soll es ausreichen, ein Foto des Hanfbestands per App oder Webanwendung hochzuladen, um im Anschluss eine individuelle, datengestützte Ernteempfehlung zu erhalten. Dieses Ziel verfolgt das Verbundprojekt „HanfWert“. Dazu wollen die Forschenden an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim ein praxistaugliches KI-System entwickeln, das anhand von Fotos sowie Umwelt-, Wetter- und Qualitätsdaten den aktuellen Röstgrad des Faserhanfs erkennt und daraus den optimalen Erntezeitpunkt ableitet.

Parallel dazu bauen die Projektbeteiligten eine umfangreiche Datengrundlage zu sortenspezifischen Unterschieden in Faserqualität und Röstverhalten auf. Das soll nicht nur die Sortenwahl in der landwirtschaftlichen Praxis verbessern, sondern langfristig auch züchterische Entscheidungen unterstützen und zur Entwicklung objektiver Bewertungssysteme beitragen. Zudem liefert das Projekt neue Erkenntnisse darüber, wie Anbau- und Erntestrategien besser an unterschiedliche Standort- und Witterungsbedingungen angepasst werden können.

Die Grundlage für die KI-Entwicklung bilden mehrjährige Feldversuche der Universität Hohenheim an drei Standorten in Baden-Württemberg: dem Heidfeldhof, dem Oberen Lindenhof und in Eckartsweier. Über einen Zeitraum von drei Jahren untersuchen die Forschenden dort die Effekte von unterschiedlichen Standort- und Witterungsbedingungen auf 15 Hanfsorten. Das Deutsche Institut für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) übernimmt die standardisierte Aufbereitung der geernteten Pflanzenproben und die Analyse zentraler Qualitätsparameter.


Projekt-Steckbrief

  • Titel: Ein digitales Entscheidungssystem zur Optimierung der Hanfernte, zur Steigerung der Faserqualität und zur Unterstützung züchtungsrelevanter Entscheidungen in Baden-Württemberg und darüber hinaus − HanfWert
  • Fördersumme: 889.432,08 Euro insgesamt (jeweils 444.716,04 Euro von EU und Land Baden-Württemberg), davon 429.300,95 Euro Euro für die Universität Hohenheim
  • Förderinstitutionen: Europäische Union (EU) sowie das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR)
  • Dauer: 1.1.2026−31.12.2028
  • Beteiligte: Universität Hohenheim (Koordination), Deutsches Institut für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF), Landesbauernverband Baden-Württemberg, landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg

   

 

Schwergewichte der Forschung

Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

 

Kontakt

Dr. Patrick Thorwarth, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt,
+49 (0)711 459 22670, patrick.thorwarth@uni-hohenheim.de

 


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