Wirtschaftliche Güllevergärung − auch für kleinere Betriebe [06.02.26]
Güllelager kostengünstig zu klimafreundlichen Kleinbiogasanlagen umwandeln – so lautet das Ziel des Verbundprojektes „SchouTech“, das PD Andreas Lemmer von der Universität Hohenheim koordiniert. Ermöglichen soll dies ein innovatives Nachrüst-Kit, das in bereits bestehende Güllelager auf landwirtschaftlichen Betrieben eingebaut werden kann. Damit sinken die Investitionskosten drastisch und eine wirtschaftliche Güllevergärung wird auch für kleinere Betriebe möglich.
Wirtschaftsdünger wie Gülle, Jauche oder Mist, die in der Landwirtschaft anfallen, haben ein großes Potenzial, um erneuerbare Energie aus organischen Reststoffen herzustellen. Gleichzeitig lassen sich durch die Vergärung von Gülle und Mist in Biogasanlagen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft deutlich senken. Insbesondere Methan, das aus tierischen Exkrementen freigesetzt wird, weist ein sehr hohes Treibhauspotenzial auf.
Doch viele Betriebe scheuen bislang den Bau von Biogasanlagen. Hohe Investitionskosten binden viel Kapital und machen die Biogasproduktion in kleinen Anlagen mit weniger als 100 kW elektrischer Leistung häufig unwirtschaftlich. Hinzu kommen hohe Anforderungen bei der Genehmigung und erhebliche Emissionen, die beim Neubau konventioneller Betonfermenter entstehen.
Im Forschungsprojekt „SchouTech“ soll Wirtschaftsdünger auch auf kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben rentabel nutzbar werden. Ziel ist es, ein innovatives Nachrüst-Kit zu entwickeln, mit dem bestehende Güllelager kostengünstig in Speicher-Durchfluss-Biogasanlagen umgewandelt werden können – ohne von einer EEG-Vergütung abhängig zu sein und mit drastisch gesenkten Investitionskosten.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Nutzung von Schweinegülle. Aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Energiedichte blieb sie bisher bei der Biogasproduktion oft unberücksichtigt. Durch ein modular aufgebautes, einfach zu installierendes System soll die Vergärung von Schweinegülle bereits ab etwa 75 Großvieheinheiten wirtschaftlich realisierbar werden. Mit Wärmedämmung, Leckageerkennung, reißfester Gärbehälterfolie sowie gasdichter Gasspeicher-Membran soll das SchouTech-System bestehende Güllebehälter mit wenigen Komponenten in vollwertige Biogasanlagen verwandeln.
Im Rahmen des Projekts wird ein Güllelagerbehälter auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zu einer Biogasanlage umgerüstet und wissenschaftlich begleitet. Gegenüber herkömmlichen Anlagen sollen die Baukosten um rund 60 Prozent, der Betonbedarf um etwa 85 Prozent reduziert und die Bauzeit auf weniger als vier Wochen verkürzt werden. Der einfache Aufbau, die Automatisierung sowie die Wartungsfreundlichkeit ermöglichen eine breite Übertragbarkeit des Systems – auch über Deutschland hinaus.
Projekt-Steckbrief
- Titel: Entwicklung eines Nachrüst-Kits zur Umwandlung bestehender Güllebehälter in Speicher-Durchfluss Biogasanlagen und Nutzung des Biogases zur Beheizung der Wirtschaftsgebäude − SchouTech
- Fördersumme: 1,22 Mio. Euro insgesamt, davon 646.068 Euro für die Universität Hohenheim
- Förderinstitution: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)
- Dauer: 1.10.2025-30.9.2028
- Beteiligte: Universität Hohenheim (Koordination), Live Energies GmbH, Stuttgart, renergie Allgäu e.V., Kempten
Schwergewichte der Forschung
Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.
Kontakt
PD Dr. Andreas Lemmer, Universität Hohenheim, Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie,
+49 (0)711 459 22684, andreas.lemmer@uni-hohenheim.de

