WM-Studie 2026:
Skepsis gegenüber der FIFA bleibt hoch  [09.06.26]

Repräsentative Umfrage der Uni Hohenheim zu WM-Erwartungen, Vermarktung, Medienverhalten & sozialen Aspekten / Teil 4 von 4: Turnier mit Nebenwirkungen?

Die Fußball-WM 2026 wird von den Deutschen gesellschaftspolitisch deutlich weniger kritisch bewertet als die Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Gleichzeitig bleibt die Skepsis gegenüber der FIFA und der zunehmenden Kommerzialisierung des Turniers weiterhin groß. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Fußball-WM-Studie von Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Studie basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter 1.000 Personen in Deutschland zu den Themen sportliche Erwartungen, Sponsoring und Sport-Vermarktung, Medienwirksamkeit sowie Politik. Bei der aktuellen Umfrage handelt es sich um die siebte WM-Studie seit 2002. Die Universität Hohenheim veröffentlicht die Ergebnisse in vier Teilen. Vollständige Studie unter: mub.uni-hohenheim.de/wm2026


„Die politische Aufladung der WM fällt 2026 deutlich geringer aus als noch bei der Weltmeisterschaft in Katar“, so Prof. Dr. Voeth vom Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim. „Im Vergleich zu 2022 bieten die Ausrichterländer diesmal deutlich weniger Angriffsfläche.“

Rund 38 Prozent der Befragten sehen allerdings in der WM 2026 sehr wohl eine politische Instrumentalisierung durch die Gastgeberländer USA, Kanada und Mexiko. Und immerhin noch rund ein Viertel der Befragten würde es begrüßen, wenn der DFB die WM boykottieren würde, um auf politische Missstände in den Gastgeberländern aufmerksam zu machen.


Mehr Zustimmung für Stadionbesuche des Bundeskanzlers

Während es im Vorfeld der WM 2022 nur rund 32 Prozent der Befragten für angemessen hielten, dass der deutsche Bundeskanzler ein Finale mit deutscher Beteiligung vor Ort verfolgen würde, würden dies bei der WM 2026 53 % der Befragten begrüßen. Besuche früherer K.o.-Runden stoßen dagegen – ähnlich wie bereits bei vergangenen Weltmeisterschaften – auf geringere Zustimmung.


Image der FIFA weiter verschlechtert

„Gleichzeitig bleibt das Grundmisstrauen vieler Fans gegenüber internationalen Fußballorganisationen weiterhin bestehen“, so Co-Studienleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Julius Schmid. Das Image der FIFA ist aus Sicht der Deutschen stark angeschlagen: Rund zwei Drittel der Befragten bewerten das Ansehen des Weltfußballverbands im Zusammenhang mit der WM 2026 negativ.

Insgesamt fällt das Vertrauen in die Vergabeprozesse, die Transparenz sowie die Regelkonformität der FIFA gering aus. „Wenn wir uns auch die Ergebnisse früherer Turniere anschauen, zeigt sich ein anhaltender negativer Langzeittrend“, sagt Prof. Voeth. „Das Vertrauen in die FIFA erholt sich nicht.“


Große Skepsis gegenüber neuem WM-Format

Nicht nur das neue Turnierformat mit 48 Teams, drei Austragungsländern und Showelementen wird von vielen Befragten kritisch gesehen. Jede:r Zweite vermutet hinter der Erweiterung vor allem finanzielle Motive. Rund 44 Prozent betrachten die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs skeptisch.

Auch die Erschließung neuer Fußballmärkte durch Weltmeisterschaften trifft auf unterschiedliche Resonanz in der deutschen Bevölkerung. Ähnlich wie bereits 2022 spricht sich lediglich knapp ein Viertel der Befragten dafür aus, die WM gezielt in weniger fußballaffinen Ländern auszutragen. Knapp die Hälfte lehnt eine solche Vergabepolitik ab.

Ebenso stößt die Diskussion über einen verkürzten WM-Turnus, also die Durchführung von Weltmeisterschaften im Abstand von weniger als vier Jahren, weiterhin auf breite Ablehnung. Rund drei Viertel der Befragten sprechen sich gegen eine häufigere Austragung der Weltmeisterschaft aus.


Sorgen wegen Klima- und Umweltbelastungen

Ein Großteil der Befragten befürchtet zudem negative Klima- und Umweltfolgen durch die Austragung der WM 2026. Besonders die großen Distanzen zwischen den Austragungsorten sowie die internationale Reisetätigkeit werden kritisch gesehen.

Die Bereitschaft, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen, bleibt allerdings begrenzt. Nur eine Minderheit der Befragten plant, die WM aus politischen oder gesellschaftlichen Gründen bewusst nicht zu verfolgen.


HINTERGRUND: WM-Studie 2026

Die WM-Studie 2026 ist eine bevölkerungsrepräsentative Online-Umfrage in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit unter 1.000 Teilnehmer:innen. Durchgeführt wurde sie zwischen dem 24. April und 10. Mai 2026 vom Lehrstuhl für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim.

Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Markus Voeth begleitet die FIFA-Fußballweltmeisterschaften seit 2001 mit regelmäßigen repräsentativen Bevölkerungsbefragungen. Schwerpunkte der Befragungen sind Themen wie Begeisterung, Pläne und Fanverhalten der Bevölkerung, ergänzt durch wechselnde Sonderschwerpunkte wie beispielsweise politische Themen rund um die sportlichen Großereignisse. Einzel- und Langzeitstudien sollen einerseits Stimmungsindikator, andererseits auch konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation sein.

Weitere Informationen
Vollständige Studie: mub.uni-hohenheim.de/wm2026
Teil 1: Deutsche glauben nur eingeschränkt an Titelgewinn 
Teil 2: Heimtrikot überzeugt, Euphorie bleibt aus 
Teil 3: Public Viewing feiert Comeback, Online immer wichtiger

Text: Stuhlemmer

Kontakt für Medien:

Prof. Dr. Markus Voeth, Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insb. Marketing & Business Development, +49 (0)711 459 22925, voeth@uni-hohenheim.de

M.Sc. Julius Schmid, Universität Hohenheim, Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre, insb. Marketing & Business Development, +49 (0)711 459 22927, julius.schmid@uni-hohenheim.de


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