Öko-Apfelanbau: Förderung von Nützlingen durch Blühstreifen  [20.09.23]

Die Abhängigkeit von Öko-Pflanzenschutzmitteln reduzieren und die Produktionssicherheit erhöhen – das ist das Ziel des Verbundprojekts „OekoapfelForward“. Dazu wollen die Forschenden verschiedene Bausteine des biologischen Pflanzenschutzes praxistauglich kombinieren. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Vorhaben mit insgesamt ca. 2.270.000 Euro. Davon erhält Prof. Dr. Frank Schurr vom Fachgebiet Landschaftsökologie und Vegetationskunde an der Universität Hohenheim rund 600.000 Euro.


Gleich um drei Herausforderungen im ökologischen Anbau von Tafeläpfeln wollen sich Forschende im Verbundprojekt „OekoapfelForward“ kümmern: die Resistenzentwicklung bei Schaderregern, die Minimierung kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel und die Förderung der biologischen Vielfalt in den Obstplantagen. Dazu wollen die Forschenden verschiedene Bausteine des biologischen Pflanzenschutzes praxistauglich miteinander kombinieren und so den Pflanzenschutzaufwand im ökologischen Apfelanbau weiter reduzieren.

Resistenzmanagement beim Apfelwickler

Dabei setzen sie vor allem auf Nützlinge, um die Schaderreger wirksam zu bekämpfen. Schon heute wird im ökologischen Obstbau zur Bekämpfung des wichtigsten Apfel-Schädlings, des Apfelwicklers (Cydia pomonella), oft dessen natürlicher Gegenspieler eingesetzt: das Apfelwickler-Granulovirus (CpGV). Dieses Virus befällt die Larven der Motten und tötet sie ab, bevor sie größeren Schaden anrichten können.

Das Problem dabei: Der Klimawandel führt mit milderen Wintern und wärmeren Frühjahren dazu, dass sich die Motten stärker vermehren und inzwischen der Einsatz vieler Präparate über das ganze Jahr empfohlen wird. Dies ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern hat auch dazu geführt, dass die Insekten mittlerweile immer häufiger gegen das Virus resistent geworden sind.

Deswegen wollen die Forschenden im Projekt „OekoapfelForward“ Wege finden, wie die Behandlungen mit dem Apfelwickler-Granulovirus im Spätsommer sinnvoll reduziert werden können. Sie untersuchen unter anderem, welchen Einfluss Klimafaktoren und Pilzbekämpfungsmittel auf die Wirksamkeit des Virus haben. Zudem wollen sie neue Virustypen isolieren und testen.

Weniger kupferhaltige Pflanzenschutzmittel…

In enger Verzahnung damit wollen die Forschenden außerdem eine Gesamtstrategie entwickeln, um die Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere von kupferhaltigen Mitteln zu reduzieren. Dabei steht die Entwicklung einer Strategie für den Anbau schorfwiderstandsfähiger Sorten im Vordergrund.

…und mehr Nützlinge


Ein weiteres Problem, das hohe wirtschaftliche Schäden verursachen kann, sind saugende Insekten wie die Blutlaus oder bestimmte Arten fruchtschädigender Baumwanzen. Über verschiedene Maßnahmen im Vegetationsmanagement sollen ihre natürlichen Gegenspieler, wie die Larven von Marienkäfern oder Schwebfliegen, gefördert werden. Dafür werden speziell konzipierte Blühstreifen für die Fahrgassen in den Obstplantagen entwickelt.  

Projekt-Steckbrief

  • Titel: Erarbeitung von Strategien zu Erhalt und Verbesserung der Ertragsstabilität und der Nutzung funktioneller Biodiversität sowie der Reduktion des Pflanzenschutzaufwandes im Ökologischen Tafelapfelanbau – OekoapfelForward
  • Fördersumme: ca. 2.270.000 Euro insgesamt, davon 608.568 Euro für die Universität Hohenheim
  • Förderinstitution: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
  • Projektdauer: 15.1.2023-31.1.2028
  • Projektbeteiligte: Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. Weinsberg (Koordination), Julius Kühn-Institut Dossenheim, Öko-Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring e.V. Jork, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum - Rheinpfalz, Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee Bavendorf, Kompetenzzentrum Ökolandbau Nossen.

Kontakt

Prof. Dr. Frank Schurr, Universität Hohenheim, Fachgebiet Landschaftsökologie und Vegetationskunde
+49 (0)711 459-22865, frank.schurr@uni-hohenheim.de

Schwergewichte der Forschung

Als „Schwergewichte der Forschung“ gelten herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000 Euro bei den Experimental- bzw. 150.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.


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