Wetterlabor Schwarzwald  [27.06.05]

Internationaler Workshop zum Siebenschläfer am 27. und 28. Juni 2005 an der Universität Hohenheim

Pünktlich zum Siebenschläfer an der Universität Hohenheim:
Meteorologen aus aller Welt planen das größte Feldexperiment, das bisher unter deutscher Federführung stattgefunden hat. Schon jetzt fällt der smaragdgrüne Laserstrahl auf, der über dem Hohenheimer Hochschulgelände in den Himmel ragt. Mit Lasersystemen bearbeiten Atmosphärenforscher in Hohenheim zukünftig die Frage: Wo, wieviel und warum wird es regnen?

"Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag".

Bauernregeln wie diese erfreuen sich auch in Zeiten moderner Wettervorhersagemodelle großer Beliebtheit. Zwar kann das Wetter heute mit Hilfe von Großrechenanlagen simuliert und prognostiziert werden, trotz aller Fortschritte sind jedoch immer noch wesentliche Fragen ungelöst. Die Vorhersage, ob und wieviel es in einer Region an einem bestimmten Tag regnen wird, hat sich in Deutschland seit etwa 20 Jahren nicht verbessern lassen. Die Folge sind volkswirtschaftliche Verluste in erheblicher Höhe. Eine Herausforderung für die Atmosphärenforschung!

Hier setzt ein Forschungsprojekt zur Verbesserung der quantitativen Niederschlagsvorhersage an, das vom Projektbüro an der Universität Hohenheim aus gemeinsam mit der Universität Karlsruhe organisiert wird: Die internationale Feldmesskampagne im Sommer 2007, COPS. Die Kampagne COPS (Convective and Orographically-induced Precipitation Study) untersucht die Regenbildung durch Gebirgseinflüsse und Wärmekonvektion. Mit Hilfe neuartiger Messinstrumente und

-strategien sollen Lücken im Verständnis atmosphärischer Prozesse geschlossen und Daten von bisher unerreichter Qualität gewonnen werden. COPS ist eingebunden in das Schwerpunktprogramm „Quantitative Niederschlagsvorhersage" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst und mit führenden Forschungsinstituten, darunter der NASA und dem National Center for Atmospheric Research (NCAR) in den USA, sollen erstmals Messgeräte der neuesten Generation konzentriert zusammen eingesetzt werden. „Für dieses Experiment bietet sich der Schwarzwald als natürliches Wetterlabor an“, so der COPS-Koordinator Dr. A. Behrendt. „Hier in einem der höchsten deutschen Mittelgebirge wird besonders viel Konvektion ausgelöst. Dadurch entstehen die bekannten sommerlichen Gewitter und Niederschläge, die besonders schwierig vorherzusagen sind.“

Seit dem Auftaktworkshop im vergangenen September haben die Hohenheimer Atmosphärenforscher schon viel erreicht. „Was die internationale Vernetzung betrifft, sind viele Wunschträume Wirklichkeit geworden“, so Dr. A. Behrendt. COPS ist inzwischen in die wichtigsten internationalen Wetterforschungsprogramme der World Meteorological Organization eingebunden. „Durch diesen intensiven Austausch profitiert das Institut für Physik und Meteorologie (IPM) erheblich“, so dessen Geschäftsführender Direktor Professor Dr. V. Wulfmeyer.

Entsprechend international wird es daher bei dem Workshop, der von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft gefördert wird, am 27. und 28. Juni im Hohenheimer Schloss zugehen. „Unser natürliches Wetterlabor endet nicht an der Landesgrenze“, erklärt Dr. Behrendt. „Etwa ein Drittel des Messgebietes liegt in Frankreich, in den Vogesen. Wir freuen uns deshalb besonders, dass uns der französische Wetterdienst und führende französische Wissenschaftler ihre Unterstützung zugesagt haben.“

Das IPM der Universität Hohenheim ist nicht zuletzt deshalb ein attraktiver Partner für Atmosphärenforscher weltweit, weil hier Messgeräte mit nie dagewesener Präzision und Auflösung entwickelt werden. Schon jetzt fällt der smaragdgrüne Laserstrahl auf, der über dem Hochschulgelände in den Himmel ragt. Es handelt sich um ein Lidar, ein Messinstrument, das die Atmosphäre fächerartig mit Laserstrahlen abtasten kann. In der kommenden Ausbaustufe wird das System dreidimensionale Messungen der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur durchführen, was bisher nicht möglich war. Dabei sind es die räumlichen Strukturen, die bestimmen, wo Wolken entstehen und Niederschlag fällt. Durch COPS wird das Hohenheimer Lidar als eines der zentralen Messgeräte mit weiterer Technik kombiniert. Dazu gehören Satellitentechnik, weitere Lidar- und Radar-Systeme, die teils am Boden fixiert, teils in Flugzeugen oder auf Lastwagen montiert sind.

„Gerade hat die Hohenheimer Wetterstation eine interessante Neuerwerbung zu verzeichnen: einen eigenen Radarbus“, berichtet Prof. Wulfmeyer. „Radar und die bei uns weiterentwickelte Lidar-Technik ergänzen sich ausgezeichnet. Radar zeigt uns, wo und wieviel es gerade regnet. Lidar hilft uns zu untersuchen: Wo, wieviel und warum wird es regnen? Denn um die Entwicklung von Wolken und des Regens wirklich zu verstehen, müssen wir in den klaren Himmel blicken.“

Zusammen mit einem amerikanischen Kollegen hat Professor Wulfmeyer vor kurzem erstmalig bewiesen, dass sich die Wettervorhersage durch die Eingabe von Lidar-Daten deutlich verbessern lässt. Auch wenn eine Vorhersage über ganze sieben Wochen wie nach der Siebenschläfer-Bauernregel nicht möglich sein wird: Es wäre schon ein Durchbruch in der Wetterforschung, wenn ein Gewitter oder Starkregen Stunden vorher ortsgenau und verlässlich vorhergesagt werden könnte. Dieser Herausforderung wollen sich die Organisatoren der COPS-Kampagne stellen.

Kontakt für Medien:

Kontaktadresse für Rückfragen (nicht zur Veröffentlichung):
Prof. Dr. Volker Wulfmeyer
Institut für Physik und Meteorologie
Universität Hohenheim
70593 Stuttgart
Telefon: 0711 459-2150
Telefax: 0711 459-2461
E-Mail: wulfmeye@uni-hohenheim.de


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